Afrika und die Gläubigen

Afrika und die Gläubigen


Dieser Artikel ist ein Auszug meines neuen Buches (es erscheint in Kürze) „Notwendigkeit oder Beihilfe zu Mord?“

Eine der grössten Plagen Afrikas sind die diversen religiösen Gruppierungen. Eine fällt besonders ins Auge, die Pfingstmission. Viele Afrikaner sind äusserst empfänglich für Zauberei, Hexerei und Dämonenaustreibung. Bei diesen Themen spielt die Pfingstmission in der vordersten Liga mit. Auch kämpfen sie an vorderster Front gegen Homosexualität und für deren drakonische Bestrafung. Diese kann, wie beim Beispiel von Uganda, auch die Todesstrafe bedeuten. Eine der schlimmsten Gruppierungen , die aus der Pfingstbewegung hervorgegangen sind, kennt man unter dem Namen Combat Spirituel. Die Gruppe wurde von Joseph Olongo und Elizabeth Wosho gegründet. Sie wurden bekannt durch gewaltsame Exorzismusriten, besonders an Kindern. Ihre Verbreitung reicht auch bis nach Europa.
Weitere extreme Religionsgruppierungen sind die in Somalia kämpfenden Al-Shabaab Milizen, die der Al Kaida nahe stehen. Zu den allerschlimmsten gehören zweifelsohne die in Nigeria operierenden Islamisten Boko Haram; in Uganda sind gleich zwei extreme Gruppen am Wirken. Die eine ist die muslimische Rebellengruppe ADF-Nalu, die andere die des christlichen Führers Rao Kony. Er schaffte ein christliches Schreckensregime, wie es in einem nichtafrikanischen Land kaum möglich wäre. Joseph Rao Kony ist ein mutmasslicher Kriegsverbrecher und der Anführer der Lord’s Resistance Army, der „Widerstandsarmee des Herrn“, LRA, einer Rebellengruppe, die die Zivilbevölkerung im Norden Ugandas und mittlerweile auch in der Zentralafrikanischen Republik und der demokratischen Republik Kongo sowie im Südsudan terrorisiert. Er erklärt der Regierung Ugandas unter Yoweri Museveni den Krieg. Sein Ziel ist, ein theokratisches Herrschaftssystem in Uganda einzuführen, das auf den Zehn Geboten basieren soll. Die von Kony angeführte Lord’s Resistance Army soll geschätzte 66.000 Kinder entführt und zu Soldaten gepresst haben, ebenso wird er für die interne Vertreibung von mehr als zwei Millionen Menschen verantwortlich gemacht.
Joseph Kony, aus der Ethnie der Acholi, wurde 1961 als Kind einer armen Familie im nordugandischen Dorf Odek geboren. Er hat sich von einem Ministranten und Schulabbrecher zu einem schwer fassbaren und brutalen Rebellenführer entwickelt, der sich selbst als Geistermedium, Gebieter und Befreier bezeichnet. Kony trat erstmals im Januar 1987 im Alter von 26 Jahren in Erscheinung. Er führte die LRA an, eine von zahlreichen Gruppierungen, die nach dem Zerfall des Holy Spirit Movement entstanden ist. Von dieser wurde er massgeblich beeinflusst. Er hat 1986 nach eigenen Angaben vom „Heiligen Geist“ den Befehl erhalten, die LRA zu gründen. Konys Gruppierung setzt sich für einen christlich-theokratischen Staat Uganda auf der Basis der Bibel und der Zehn Gebote ein. Die Mehrehe wird in Konys christlichem Fundamentalismus gemäss dem Alten Testament toleriert, das Schwein wird dem Alten Testament gemäss als ein unreines Tier aufgefasst. Kony selbst bekundet, dass er vom „Heiligen Geist“ in seinem Kampf angeführt werde. Nach fast 20 Jahren Terror wurden am 13. Oktober 2005 Ermittlungen beim Internationalen Strafgerichtshof eingeleitet und Haftbefehl erhoben. Angeklagt in 12 Punkten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ( z.B. vorsätzliche Tötung, Versklavung, Zwangsprostitution, Vergewaltigung, unmenschliche Handlungen, schwere Verletzungen der körperlichen und geistigen Gesundheit),
und in 21 Punkten wegen Kriegsverbrechen (wie beispielsweise vorsätzliche Tötung, grausame Behandlung von Zivilpersonen, vorsätzliche Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Plünderung, Anstiftung zur Vergewaltigung, Zwangsrekrutierung von Kindern).
Eine weitere unglaubliche Glaubensgeschichte ist der Muti Kult. Muti (Zulu: uMuthi = Baum, Strauch) bezeichnet die traditionellen Heilmethoden der Zulu-Medizin. In erster Linie in Südafrika, wird aber auch im ganzen Gebiet der Subsahara ausgeübt durch die sogenannten Sangoma, eine Art von Wunderheiler. Mit dem Begriff werden auch die verschiedenen Heilmittel bzw. Mixturen selbst bezeichnet. Als Heilmittel kommen hauptsächlich alle Arten von Kräutern und Pflanzen zum Einsatz, aber auch Erde und alle erdenklichen tierische Produkte wie Ziegenfett, Knochen oder Schädel. Die Heilmittel werden unter anderem zu Pasten verrührt und dann auf der Haut verrieben oder durch Ritzen der Haut in den Blutkreislauf verbracht. Das klingt harmlos und ist es bis zu diesem Punkt wohl auch, aber der Mutikult geht weiter, viel weiter. Mutimedizin kann alles, schlechten Geschäftsgang verbessern, Krankheiten heilen, aber auch unverwundbar machen. So konnte man in Südafrika beobachten, wie streikende Minenarbeiter in den Kugelhagel der Polizei rannten, weil ein Wunderheiler ihnen nach einer Mutizeremonie Unverwundbarkeit versprochen hatte. Traurige Bilanz:  34 Kumpel fanden im Kugelhagel den Tod. Zum Mutikult gehören auch Ritualmorde, deren Opfer meistens Kinder sind. Teile ihrer Körper, denen besondere Kräfte nachgesagt werden (unter anderem Hirn, Herz, Genitalien), werden bei Beschwörungen, Zaubersprüchen oder Heilungen benutzt.
Muti hat nichts mit Armut zu tun, sondern mit dem afrikanischen Urglauben, der allgemein verbreitet und anerkannt ist. So gehen kranke Menschen in Afrika zunächst nicht ins Hospital oder zum Allgemeinmediziner, sondern zum Sangoma. Warum? Weil ihm vertraut und geglaubt wird und weil die meisten Menschen schwarzer Herkunft abergläubisch sind. Okkulte Aggression ermöglicht es, soziale Spannungen zu entladen.
Besonders grausam sind die sogenannten Muti-Morde. Angeblich ist ihre Zahl im Steigen begriffen. Sie werden nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in den Städten verübt. Sogar in Europa wurde ein kindlicher Torso, eingehüllt in eine Blache mit Requisiten, wie es für den Mutikult üblich ist, aufgefunden. Der Torso gehörte zu einem etwa fünfjährigen Knaben afrikanischer Abstammung. Dem Getöteten werden Hände, Genitalien und Ohren abgeschnitten. Die abgetrennten Körperteile gelten als potenzhaltig, die ihnen innewohnende Kraft kann auf andere Menschen übertragen werden. Die Sangoma pflegen die schwarze Magie und Verschwörung. In Südafrika treten heute Hunderte Sangomas auf. Sie schüren die Angst vor Hexen, insbesondere dadurch, dass sie die Aidspandemie als Folge einer Verschwörung beschreiben. Mittels ihrer Verschwörungstheorien versuchen sie, ihre Kunden an sich zu binden. Ihre Botschaften und okkulten Praktiken führen zu grauenvollen Ritualmoden an tausenden Unschuldiger. Darunter fallen viele Minderjährige und vor allem Strassenkinder. Obgleich AIDS medizinisch nicht heilbar ist, wird Abhilfe durch magische Mittel sowie durch die Anrufung jenseitiger Mächte in Aussicht gestellt.
Traditionelle Heiler (Sangomas) bezahlen gut, wenn man ihnen einen männlichen Kopf, die Zunge, die Augen oder die Genitalien eines Opfers besorgt. Mithilfe abgetrennter Körperteile kann ein Heiler seinen Klienten Schutz vor Angreifern, Machtzuwachs und Einfluss verschaffen. Den einzelnen Körperteilen werden unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben. Eine weibliche Brust verursacht Mutterglück, Genitalien beheben Potenzprobleme, ein Kehlkopf kann einen gefährlichen Zeugen zum Schweigen bringen, Fettgewebe, Urin oder Sperma fördern das Glück, eine Zunge ebnet den Weg zu einer Frau, und herausgeschnittene Augen ermöglichen einen Blick in die Zukunft.
Muti-Morde gab es in Südafrika und anderen afrikanischen Staaten wie z. B. Tansania und Mosambik schon seit Menschengedenken. Zu Zeiten der Diktatur (Kolonialismus, Apartheid) wurden diese Verbrechen mit dem Tod bestraft. Die Hemmschwelle, erwischt und bestraft zu werden, war grösser als heute. Dass Muti-Morde wieder vermehrt passieren, liegt daran, dass das Internet der allgemeinen Verbreitung hilft, und durch die Freiheit der Demokratie und fehlen von drastischen Strafen wie der Todesstrafe. Es gibt gerade in ländlichen Regionen keine ausreichende Kontrolle durch die Autoritäten, es gibt kein Einwohnermeldewesen und keine Rasterfahndung und die Polizei ist ohnehin schon in ihrer Gesamtheit hoffnungslos überfordert. Der Irrglaube, menschliche Körperteile hätten eine heilende und spirituelle Wirkung, ist unentschuldbar, abartig und grausam.
Die Pastoren und  Pastorinnen der zahllosen evangelikalen Kirchen, die in Dörfern und Städten wie Pilze aus dem Boden spriessen, sind in dieser Sache nicht die treibende Kraft, aber schüren die Panik vor Hexen und Dämonen und bieten sich gleichzeitig als Hilfe zur Bewältigung des Elends an, das sie selbst verursacht haben. Je mehr böse Geister sie aufspüren, je mehr Exorzismen sie zelebrieren, umso erfolgreicher bestehen sie in der Konkurrenz mit den anderen Glaubens-gemeinschaften. Denn wer den Teufel besiegt, ist Gott nahe. Unheilbare Hexenkinder müssen beseitigt, erschlagen, ausgesetzt werden.
Der Kinderhexenwahn ist in Nigeria um das Jahr 2000 ausgebrochen. Angeblich erkennt man ein verhextes Kind daran, dass es schon als Kleinkind frech ist, lügt, stiehlt und sich den Erwachsenen widersetzt. Im Fischerhafen der nigerianischen Stadt Ibaka sollen sich Hexenkinder in Rudeln zusammengerottet haben, ausgesetzte, kranke und in panischer Angst vor Killertrupps vegetierende Jungen und Mädchen, die sich von rohen Fischabfällen ernähren. In afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden immer mehr Kinder der Hexerei bezichtigt, verfolgt, geschlagen und getötet. Die meisten „bana bandoki" „Hexenkinder" werden von ihren Familien verstossen und landen auf der Strasse. Sie gelten als des Zauberns mächtig. Angeblich benutzen sie ihre magischen Fähigkeiten dazu, um andere Menschen zu schädigen. Viele Erwachsene sehen in ihnen die Verkörperung des Bösen. Allein in Kinshasa, der kongolesischen Hauptstadt, soll es Zehntausende verhexter Kinder geben. Die demokratische Republik Kongo mit 65 Millionen Einwohnern, die sich zu 70 Prozent zum Christentum bekennen, ist der drittgrösste Staat Afrikas und fast sieben Mal so gross wie Deutschland. Dort sind die betroffenen Kinder oft erst neun oder zehn Jahre alt. Weil ihre Eltern befürchten, von ihren eigenen Sprösslingen durch Zauberei ins Unglück gestürzt zu werden, duldet man sie nicht mehr in der Nähe, sie müssen Haus, Familie und Dorf verlassen. In vielen Städten, aber auch auf dem Land stösst man auf Tausende solcher angeblich verhexter Strassenkinder.
Impulsgeber und Nutzniesser des Hexenkinderwahns in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind vor allem die aus dem Boden schiessenden evangelikalen Kirchen. Sie pflegen den Glauben an böse Geister und dämonische Besessenheit und halten die Mittel – insbesondere Beschwörungen, Segnungen, exorzistische Rituale - bereit, um Abhilfe zu schaffen. Fast alle Strömungen des afrikanischen Christentums sind fundamentalistisch, das heisst, dass sie von der Realität des Teufels, der Dämonen und Geister überzeugt sind. In Nigeria sind es vor allem Geistliche der fundamentalistischen Glaubensgemeinschaften, die Kinder als Hexen bezichtigen. Wie zur Zeit der frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen in Mitteleuropa, so halten sich die afrikanischen Theologen heute noch an 3. Mose 20,6: „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen." Selbst von katholischen Geistlichen hört man, dass sie ihren Pfarrkindern geweihte Kerzen und Pulver verkaufen, mit denen sie die sie bedrohenden Hexen und Dämonen vertreiben sollen.
Zehntausende Minderjähriger sind von den Folgen der Bezichtigungen betroffen. Sie werden nicht selten geschlagen, angekettet, verbrannt, mit Säure übergossen. Dämonologie, Hexerei und Exorzismus wirken als probate Mittel bei der Selbstbehauptung, Abgrenzung und inneren Festigung von Glaubensgemeinschaften. Die Überzeugung, dass es Hexen gibt, ist ein fester Bestandteil des orthodoxen afrikanischen Christentums. Besonders jene christlichen Kirchen, Gemeinschaften und Gemeinden, die der Pfingstbewegung zugehören oder ihrem Geist nahestehen, haben sich auf diesem Gebiet einen Namen gemacht: „Mount Zion Lighthouse / Leuchtturm Berg Zion", „Kreuzzug der geborenen Herrscher", „Apostolische Kirche Nigerias" „Gemeinschaft der Sieger" und „Botschaft  Christi".
Zwischen 1994 und 1998 sollen allein in Tansania 5000 Menschen den epidemisch aufflackernden und um sich greifenden Hexenjagden zum Opfer gefallen sein. Der Glaube an Hexerei in Afrika ist alt und, radikalisiert durch die dualistische Zuspitzung des Christentums, heute noch überall verbreitet. Indessen wird das Phänomen der verhexten Kinder, das im 17. und 18. Jahrhundert in fast allen Ländern Mitteleuropas und in Nordamerika virulent war, erst seit etwa 1990 beobachtet. In dieser Zeit ist in Afrika die Bedeutung von Religiosität im Allgemeinen und Okkultismus wie Zauberei im Besonderen beträchtlich gewachsen. In manchen Teilen des Kontinents ist der Hexenglaube heute aktueller denn je. Magie und Zauberei sind von erheblichem Einfluss auf die Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen der betroffenen Völker. In einigen Ländern – wie zum Beispiel Kamerun oder Kenia – drohen Menschen, die aufgrund der Expertisen von Hexendoktoren der Hexerei angeklagt wurden, Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren. Im Norden Nigerias, wo die Scharia eingeführt wurde, steht auf Hexerei die Todesstrafe. Im letzten Jahrhundert kam es im subsaharischen Afrika immer wieder zu Anti-Hexerei-Bewegungen (unter anderem in Kenia, Sambia, Rhodesien, Malawi, Tansania, Kongo). Gegen Ende des 20. Jahrhunderts nahmen die Verfolgungen an Schärfe zu. Wegen vermeintlicher Hexerei sollen in wenigen Jahren zehntausende Menschen getötet worden sein. Die Übergriffe und Morde, bei denen die Opfer oft aufs Grausamste zugerichtet wurden, werden von grossen Teilen der Bevölkerung getragen und gefördert. Wenn einer vermeintlichen Hexe ein mit Benzin gefüllter Autoreifen als Brandbeschleuniger um den Hals gelegt und angezündet wird, gilt dieser Akt als Reinigung, der die Gemeinschaft vom Bösen befreit.
Viele Afrikaner machen Hexen und Zauberer für ihr persönliches Elend verantwortlich. Die afrikanischen Hexenverfolgungen hängen mit dem ökonomischen Zusammenbruch und der herrschenden Armut zusammen. So erweist sich der subkulturelle Okkultismus Afrikas als ein Globalisierungs- und Modernisierungsphänomen. Mit der Auflösung des staatlichen Gewaltmonopols lebt religiöse Gewalt auf. Die Handhabung okkulter Kräfte stellt für die Menschen im Elend ein letztes verzweifeltes Aufbäumen dar. Die Grausamkeiten, die Soldaten und Rebellen in den Kriegen vor der Jahrhundertwende an der Bevölkerung verübten, verursachten unvergessliche Traumata. Ruandische Soldaten sollen schwangeren Frauen die Bäuche aufgeschlitzt, Kinder an die Wand geschlagen, Frauen vergewaltigt und das Fleisch Getöteter gegessen haben. Mit der Zahl der AIDS-Toten nahmen die Hexereiverdächtigungen sprunghaft zu. Kurz vor der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert sollen allein in der Northern Province von Südafrika Hunderte von vermeintlichen Hexen und Hexern erschlagen oder lebendig verbrannt worden sein.
Religion war und ist in Afrika ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens. Der Glaube an spirituelle okkulte Kräfte zieht immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Pfingstkirchen, christliche Heils- und Freikirchen, charismatische Erweckungs- und Erneuerungsbewegungen, aber auch islamische und islamistische Glaubensbewegungen sind auf dem Vormarsch. In den Gemeinden pfingstlerischen und charismatischen Ursprungs werden Glossolalie, Exorzismen und Heilungsriten praktiziert. Im Einflussbereich der Pfingstkirchen gilt Hexerei als Werk des Teufels. Die Kirche verspricht den Sieg über die Dämonen- und Geisterwelt. Am Ende können auch Hexen erlöst werden, wenn sie Reue zeigen. Mit ihrem Wunder- und Dämonenglauben stehen die afrikanischen Pfingstgemeinden dem Urchristentum gewiss näher als moderne Europäer mit ihrer rationalisierten Weltsicht.
Neben den Pastoren bieten unzählige Heiler Hilfe an. Priester und Wahrsager werden konsultiert, wenn die Gemeinschaft oder ein einzelner Schaden zu nehmen droht oder unter einer Krankheit leidet. Mithilfe von Amuletten, Pulvern, Federn sowie unter Verwendung von Beschwörungsformeln oder durch Einritzungen in den Körper verschaffen sie ihren Klienten mystische Kraft. Dies geschieht entweder direkt und unmittelbar aufgrund der Zauberkraft des magischen Aktes und des Heilers oder aber durch Einschaltung von Gott, den Ahnen oder hilfreichen Geistern.
Hexerei und Okkultismus sind Phänomene „vorwissenschaftlicher Gesellschaften". Menschen, die in bitterer Armut leben, haben selten Zugang zu Bildung. Materielle Not erscheint als „Unheil", dessen Gründe in persönlicher Schuld und Sünde wurzeln, sie kann auch durch Teufel und Hexen verursacht sein. Es fehlt an Aufklärung und an der Bereitschaft, sich sachlich informieren zu lassen. Je niedriger der Bildungsgrad, umso empfänglicher sind die Menschen für religiöse Erklärungen ihres persönlichen Geschicks. Jedes Mädchen, zumal wenn es hübsch ist, kann der Hexerei verdächtigt werden. Ein Junge, der in den Diamantenminen arbeitet und mehr Geld nach Hause bringt als sein Vater, kann, da er die Autorität des Familienoberhaupts infrage stellt und dessen Position gefährdet, ausgegrenzt und vertrieben werden. Fast alle Strassenkinder in Zentralafrika laufen Gefahr, der Hexerei bezichtigt zu werden.
Heilerinnen und Medizinmänner - uralte Traditionen. Der Glaube an eine geheimnisvolle Potenz von Heilern ist in der afrikanischen Weltanschauung tief verwurzelt. Riten und Bräuche unterscheiden sich je nach Region stark voneinander. Südlich der Sahara suchen die Menschen bis heute Heiler auf, wenn die Mittel und Massnahmen der westlichen Schulmedizin versagen. Erfahrene und seriöse Heilerinnen tradieren ein uraltes naturmedizinisches Wissen. Ihre Heilkunde wird zunehmend auch von der westlichen Medizin ernst genommen. Die christlichen Kirchen stehen der traditionellen Heilkunst ablehnend gegenüber. Deshalb verteufeln sie die Heiler und denunzieren ihre Praktiken als schwarze Magie. So schüren sie den aggressiven Hexenglauben, der bereits in verschiedenen afrikanischen Regionen zu Massenverfolgungen geführt hat. Diesen sind vor allem Heilerinnen zum Opfer gefallen, die man als Zauberinnen denunziert hat. Ähnliche Phänomene sind auch in Lateinamerika und der Karibik bekannt.
Auch der Ahnenkult gehört zum Alltag. Die Kommunikation mit den Ahnen erfolgt über Heilerinnen und Medizinmänner als Medien. Sie sind zu Lebzeiten der weisen Alten von diesen unterrichtet und initiiert worden. Nun schlagen sie als Mittler die Brücke zwischen dem Diesseits und dem Reich der Toten. Leben und Tod, Realität und Imagination gehen ineinander über. Die überirdischen Kräfte und die magische Potenz der Heiler sind Werkzeuge der Vermittlung mit der anderen Welt, in der die Ahnen fortleben. Der Ahnenkult vermittelt ein positives Lebensgefühl und hilft bei der Lebensbewältigung und -gestaltung der Menschen in Afrika. Die Grenze zwischen Heilerin und Hexe ist dünn. Für die Unterscheidung ist lediglich der Blickwinkel des Betrachters und in dessen Beurteilung des Phänomens massgeblich. Deshalb kann es leicht geschehen, dass Heilerinnen und Medizinmänner plötzlich der schwarzen Magie beschuldigt werden. Dies geschieht zumal dann, wenn ihre rituellen Massnahmen und Segnungen erfolglos bleiben. Dann wird der Helfer gegen das Böse im Handumdrehen zum personifiziert Bösen.
Endzeitstimmung sind auch bei uns in Europa und der USA in diversen Sekten anzutreffen. Je tiefer, andauernder und auswegloser eine Krise ist, umso rascher neigen Menschen zu apokalyptischen Vorstellungen. Das Ende ist nah, die Welt steht vor dem Untergang. Die eigene triste Lebensrealität ist der Beweis dafür. In dieser Situation schafft die Vorstellung, dass Hexen und Zauberer mit ihren schwarzmagischen Massnahmen und Manipulationen diese Misere verursacht hätten, eine gewisse Erleichterung. Der christliche Glaube stärkt diese Sicht der Dinge. Er nimmt die afrikanischen Hexereivorstellungen auf und verbindet sie mit dualistischen Elementen der christlichen Tradition. Aus der Macht der Hexen und dem äusseren Elend kann nur die Gnade Gottes retten. Diese Erlösungsvorstellung ist auch darauf angewiesen, dass man Schuldige benennen kann. Schutzlose Frauen und Minderjährige eignen sich besonders dafür, als Sündenböcke geopfert zu werden.
Aus der Warte der Denunzianten ist Hexerei die moralische Kategorie der Exklusion. Der Glaube an Hexen ist gleichermassen Erklärungsmuster wie Lösungsstrategie für Probleme, die aus dem Zerfall traditioneller politischer und sozialer Gefüge, Ordnungen und Autoritäten resultieren. Magie und Zauberei spiegeln deshalb reale soziale Beziehungen und gesellschaftliche Veränderungen wider, und sie prägen sie nachdrücklich. Im afrikanischen Kontext dienen christliche Gebete und kirchliche Rituale in erster Linie dazu, sich selbst und andere vor dämonischen Kräften zu schützen. Soziale Konflikte können sichtbar, verbalisiert, verschärft und ausgetragen werden, wenn sich Angehörige rivalisierender Gruppen – Milizen, Kirchen und Kulte – gegenseitig okkulter Gewalt bezichtigen. 
Die vorgebrachten Hexereianklagen richten sich vornehmlich gegen die Mächtigen in der eigenen Gemeinschaft, gegen Unterprivilegierte und gegen Fremde ausserhalb des Nahbereichs. Viele Politiker konsultieren spirituelle Experten, um ihre Karrieren zu sichern. Minister und Präsidenten umgeben sich mit Zauberern und Wahrsagern.
In Burundi und Tansania wird vor allem auf Albinos Jagd gemacht. Ihren Knochen wird magische Wirkung zugetraut. Laut dem Uno-Flüchtlingskommissariat gibt es seit dem Jahr 2000 72 aktenkundige Fälle in Tansania, aber nur 5 führten zu Gerichtsverfahren. Neben den Albinos gibt es weitere Bevölkerungsgruppen, die als besonders gefährdet gelten, zum Beispiel Mischlinge, Pubertierende, Pygmäen, Zwillinge und deren Eltern. Ihnen allen spricht man besondere Kraft zu.
Als Hochburg für Ritualverbrechen gelten Südafrika und Nigeria – wo sich eine ganze Spezialabteilung der Polizei um die sogenannten Muti-Morde kümmert. Waisenhäuser und Kinderheime in der Metropole Lagos sind inzwischen streng gesichert, und die Verwaltung ist äusserst vorsichtig geworden, was Adoptionen angeht, weil es so viele Missbrauchsfälle gab. In den Jahren 2011 und 2012 entdeckte die Polizei «Baby-Fabriken», wo Frauen gegen Entgelt ihre Kinder zur Welt brachten und sie den Betreibern zur weiteren «Verwendung» überliessen. Oft hört man auch von kannibalischen Riten bei Rebellengruppen, so etwa in Liberia oder in Kongo-Kinshasa. Manchmal geht es dabei darum, sich die Kraft des Feindes einzuverleiben oder sich unverletzbar zu machen.
Als besonders gefährlich gilt im subsaharischen Afrika die Zeit des Wahlkampfs. Dann kennen offenbar viele Kandidaten kaum Hemmungen, die Dienste von Schwarzmagiern in Anspruch zu nehmen, um eine Machtposition zu erringen. In Kongo-Kinshasa werden oft Kinder und manchmal sogar Babys der Hexerei verdächtigt. Dann müssen sie exorzistische Rituale über sich ergehen lassen, die an Folter grenzen. Man schlägt sie, um den Dämon zu vertreiben, macht Einschnitte in ihren Körper, damit das Böse entweichen kann, oder gibt ihnen nichts mehr zu essen (Heilfasten, den bösen Geist aushungern). In den letzten Jahren hat die Zahl der Strassenkinder in Kinshasa massiv zugenommen – eine direkte Folge der Hexenhysterie, weil die malträtierten Kinder meist irgendwann von zu Hause ausreissen. Hauptverantwortlich für die Zunahme des Aberglauben sind die evangelikalen Kirchen. Deren Priester machen für Unglück in den Familien oft die Kinder verantwortlich, die sie als Hexen entlarven. Bettnässen gilt als typisches Indiz, dass ein Kind des Teufels ist. Gelegentlich wird der Hexereivorwurf auch einfach erhoben, um ein missliebiges Kind zu mobben und loszuwerden. Die Rolle der evangelikalen und Pfingstkirchen ist zwiespältig. Einerseits verstehen sie sich als Kämpfer gegen alles Okkulte und Unchristliche. Andererseits bestärken sie den Aberglauben und die Verfolgung von Verdächtigten, indem sie überall Magie wittern und unaufhörlich der Hexerei, dem Teufel, den Dämonen und dem Bösen den Krieg erklären.
In Ghana kam es jahrelang zu Morden an behinderten Kindern, die man dort oft der Hexerei verdächtigte. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass ein Viertel der nationalen Todesfälle von Kindern in den neunziger Jahren Ritualmorde waren.
Unordnung und Machtstreit der diversen christlichen Splittergruppen in Afrika führen zu Machtstreitereien der einzelnen Religionsgruppen und Religionsgruppen gibt es viele. Katholiken, Evangelisten, Lutheraner, Methodisten, Pfingstler, Adventisten, Baptisten, Presbyterianer, Church of God, Brethern Mission, Apostoliker, Branhamisten, Zeugen Jehovas, Kibangisten usw. „Der schwarze Bantu hat seinen angeborenen Sinn für Gott und die Haltung, die jedem Geschöpf zukommt, er bewahrt damit das Bewusstsein der Abhängigkeit vom höchsten Wesen.“ Zitat vom inzwischen verstorben Malula, Bischof und Kardinal von Zaire.
In diesem Konglomerat von Religiosität spielen auch viele Hilfswerke eine kleinere oder grössere Rolle. Das bischöfliche Hilfswerk "Misereor" verwaltet nicht nur die Spendengelder sowie das jährliche Fastenopfer der Katholiken, sondern auch die Kirchensteuergelder für die Dritte Welt sowie weitere finanziellen Mittel. Bei "Brot für die Welt" hingegen handelt es sich nach wie vor um ein reines Spendenwerk. Dieses ist noch Teil des diakonischen Werkes der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Organisationen wie CARE (Cooperative for American Relief to Everywhere) haben in einer Vielzahl von Ländern eigene Organisationen aufgebaut und arbeiten vor allem in der praktischen Entwicklungshilfe.
Ja, Afrika braucht Hilfe! Hilfe, dass nicht länger geduldet wird, dass religiöse Missionare und Entwicklungshelfer die Menschen für ihre Zwecke missbrauchen, den Menschen auch erzählen, Vermehrung sei Gottes Wille. Als grosses Erschwernis kommen noch die unzähligen MONGOs dazu (MONGOs = My Own Non Governmental Organization). Dass hier vor allem die religiösen MONGOs obenauf schwimmen, liegt in der Natur der Sache. Der grösste Anteil machen US-Fundamentale aus, diese sind der am schnellsten wachsende Zweig der Helfer in der Not. Ob sie nun Bibeln verteilen oder Mahlzeiten, sie bezwecken nur, „ihre“ Religion an Frau und Mann zu bringen. Viele gründen im Schnellzugstempo Born-Again-Kirchen, hier halten sie ihre Travelling Salvation Shows ab. Meist finden sie ein dankbares Publikum, sind doch die meisten bildungsfernen Afrikaner religiös bis zu den Fussspitzen. Ein Religionsführer aus Texas hat ausrangierte Kreuzfahrtschiffe zu Spitalschiffe umgerüstet. Auf diesen wird nun wie am Fliessband operiert. Nach den Operationen werden die Patienten ihrem Schicksal überlassen, da ist keine Nachbehandlung vorgesehen. Das Ganze hat nur den Zweck von PR-Aktionen. Da es eilt, werden all zu oft auch falsche Diagnosen oder medizinische Fehlgriffe produziert. So machte ein Beispiel die Runde, dass ein Baby eine zu starke Narkose erhielt und daran starb. Ihre Mutter wurde anschliessend getröstet mit den Worten „sie solle nicht weiter darüber nachdenken“. Für das Missgeschick bezahlten sie der Mutter ein Busticket, damit sie zurück zu ihrer Hütte reisen konnte. Die Menschen sollten dankbar sein für diese Gratisoperationen, eine ordentliche Nachsorge war dabei kein Thema. Wenn zum Beispiel Nähte sich öffneten und es zu Infektionen kam, waren die biblischen Männer längst zurück in Kansas. Wenn die Patienten aus ihrer Narkose aufwachen, werden sie rund um die Uhr über Monitore in Dutzenden von Sprachen und Dialekten mit Filmen über das Leben Jesus zugedeckt. Nichtchristen werden, oft noch am Tropf hängend, zu solchen bekehrt.
Die Arbeit dieser Ärzte im Namen Gottes ist so etwas von zynisch. Bekannt wurde auch eine Geschichte von amerikanischen Ärzten, die mit Touristenvisas umherreisten, und in Flüchtlingslagern ihre Arbeit taten: operieren, beten, essen, erneut beten, schlafen, aufstehen, beten und wieder operieren. Die Zeit war knapp, der Visa wegen, Dutzende von Patienten wurden beinahe wie am Fliessband operiert. Der Teamleiter, notabene kein Arzt, sondern Verwaltungsbeamter, eilte durch das Flüchtlingslager, um in Sekunden zu entscheiden, wer eine sofortige Operation benötigt.
Für ihre PR-Aktion gibt aber auch eine Art von Ratingliste, hier stehen die Amputierten an erster Stelle. Sie waren und sind die Ikonen des Bürgerkrieges, an ihnen können die humanitären Helfer ihre so grossartige Hilfe zeigen. Wenn Rebellen in ein Dorf stürmten, wurden die Menschen oft vor die Wahl gestellt, den Arm abgehackt zu bekommen oder nur das Handgelenk. Kaum vorstellbar, was Menschen durchmachen, die da sitzen und abwarten, welcher Körperteil ihnen abgehackt wird. Die meisten Amputierten starben schnell,  verbluteten oder an Wundfieber.
Auch Hilfsorganisationen, die sich nicht speziell um Verstümmelte kümmern, benutzen die Bilder der arm- und beinlosen Menschen für ihre Spendenwerbekampagnen. Dabei ist ein Fall besonders hervorzuheben, ein kleines Mädchen, dem Rebellen im Alter von etwa drei Monaten ein Ärmchen abhackten. Sobald ausländische Besucher sich näherten, rollte die Mutter ihrer Tochter den Ärmel hoch und die Kleine posierte wie ein Kinderstar und hielt ihren kleinen Strumpf vorgestreckt, den Mund schmerzlich verzogen.
Es wäre überaus wichtig, dass die Kinder die genügend vorhandenen Prothesen benutzen, das hilft, die richtigen Muskeln aufzubauen und Verwachsungen zu vermeiden. Aber viele wollen das nicht, sie schleppen sich lieber auf ihren Stümpfen durch das Lager, nur so wecken sie Aufmerksamkeit der vielen Fotografen, die sie für ein Shooting bezahlen. Das führte so weit, dass, um Aufmerksamkeit zu erringen, unter den Verstümmelten ein Kampf untereinander ausbrach. Es führte auch zu einem Klassenkampf zwischen den „real amputees“, die von Rebellen amputiert wurden und den „wounded“ Menschen, die von einem Arzt amputiert wurden. Klar, die von Rebellen geschundenen waren mehr wert als die anderen, sie hätten auf alle Fälle mehr Anrecht auf die hereinfliessenden Spenden.
Eine weitere unschöne Geschichte sind die Waisenhäuser, diese bringen Millionen an Spendengeldern. Eine zu grosse Versuchung, Kinder als Waisen zu deklarieren, die noch lebende Eltern haben. Besonders religiöse Gruppen bringen solche Kinde in die USA, um mit ihren Waisen, die gar keine sind, Spendengelder locker zu machen. Im Namen eines imaginären Gottes ist alles, wirklich alles erlaubt.